Gedanken über die moderne Kindererziehung

Überall bekommt man Unmengen von Tipps bezüglich Kindererziehung. Schon länger überschwemmen einige und ständig wechselnde Erziehungshypes den Markt und für die jeweiligen Anhänger einer Erziehungsform ist es dann das Non-plus-ultra.

Alle Eltern, die ihre Kinder dann nicht so erziehen, wie die jeweilige Gruppe es propagiert, irren sich, sind absolut schlechte Eltern und andersherum dann ebenso. Gut, im Grunde folgen sie damit nur der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, in der alles immer verbissener wird. Man kann scheinbar den anderen in seiner Meinung nicht mehr so stehen lassen und meint das Gegenüber belehren zu müssen, aber möchte sich selbst nichts sagen lassen, da man sich, so die Meinung, auf dem richtigen Weg befindet.

Viele Eltern sind einfach nur überfordert. Sie belesen sich über das Thema Kindererziehung, probieren viele Dinge aus und sind am Ende frustriert, da nichts so klappt, wie in diesen ach so tollen Ratgebern beschrieben. Denen möchte man am liebsten den Rat mitgeben: Hört einfach nur auf eure Intuition! Lasst euch nicht stressen von vermeintlichen Vorgaben, wie man sein Kind erziehen muss: Was ein Kind wann können muss, oder an welche Regeln es sich halten muss. Die Eltern bestimmen die Regeln! Der “Kleinstaat” Familie ist ein in sich geschlossener Kreis und wenn dieser funktionieren soll, dann müssen Regeln und Gesetze her, die für alle passen. Für Eltern und Kinder!

Kindererziehung ist Stress pur! Es ist absolut kein Honigschlecken und erfordert viel Nerven. Das Elterndasein ist wohl die größte Herausforderung des Lebens. Auch, weil man im Grunde nie irgendwas recht machen kann. Sobald man mehr auf Außenstehende hört, als auf die internen und eigenen Bedürfnisse, hat man schon verloren. Dann achtet man mehr darauf, es allen anderen recht zu machen und konzentriert sich nicht mehr auf das, was die Kinder, was der Partner, was man selbst benötigt. Besonders Mütter neigen dazu, sich komplett zu verausgaben. Sie möchten alles perfekt machen und aus ihren Kindern die schlauesten und besten Kinder machen, ihnen alle Möglichkeiten geben, die erreichbar sind. Sehr nobel, wirklich! Aber manchmal ist das einfach zu viel. Wann war dein Kind einfach mal ein paar Tage zu Hause und hat alleine oder mit den Geschwistern gespielt, ohne ständigen Input von einem Erwachsenen? Wann hatte dein Kind zum letzten Mal Langeweile? Wann hat dein Kind zum letzten Mal Blödsinn gemacht, was angestellt?

Langeweile ist wichtig! Lass dein Kind jammern! Wirklich! Lass es! Fühle dich nicht schlecht dabei! Frage dich lieber, wer dir suggeriert, dass du dich schlecht fühlen musst, wenn dein Kind jammert. Diese ganzen Erziehungsratgeber, von wegen, dass man sein Kind nicht schreien lassen soll, beziehen sich meiner Ansicht nach auf das Babyalter, wenn das Kind noch nicht sprechen und sich auch sonst noch nicht artikulieren oder selbstständig fortbewegen kann. Erst wenn ein Kind keinen Input mehr bekommt, kann es selbst kreativ werden. Das ist wichtig! Fantasie ist ein sehr wertvolles Gut, aber das bekommt man nicht, wenn man ständig etwas mit dem Kind unternimmt, es durchgängig beschallt und bespaßt wird. Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Jammern und Schreien, aber Eltern die ihre Kinder kennen wissen, was wann welcher Laut bedeutet und reagieren dementsprechend.

Kinder benötigen Führung und Leitung und sind auf Eltern angewiesen, die sie lieben und an denen sie sich festhalten können. Starke Erwachsene, an denen sie sich orientieren können. Eltern, die ihre Kinder lieben, so wie sie sind, die sie nicht verbiegen wollen, da das Verhalten des Kindes nicht den eigenen Vorstellungen entspricht, wie ein Kind zu sein hat. Und vor allem Eltern, die ihre eigenen Enttäuschungen nicht auf ihre Kinder übertragen: „Ich möchte es bei meinem Kind besser machen, als meine Eltern bei mir!“, das erzeugt unnötigen Druck. Die Folgen sind Zank und Geschrei auf beiden Seiten.

Die eigene Erziehung, wie die eigenen Eltern mit einem umgegangen sind, wird immer Bestandteil der Erziehung sein. Die Prägungen sind vorhanden. Man muss sich oft bewusst für oder gegen etwas entscheiden und das erfordert viel mentale Stärke, in jeder Situation. Wer Kinder hat und diese auch selbst überwiegend betreut, der weiß, wie viel es oft mit der eigenen mentalen Stärke auf sich hat, denn sie schwächelt zuweilen mächtig. Oft ist man einfach nur froh, wenn alle unbeschadet den Tag überstehen. Wenn die Kinder am Abend im Bett sind, egal wie, und man selbst dann noch ein paar Takte durchatmen kann, bis man dann todmüde ins Bett fällt.

Erziehungsratgeber sind bestimmt nicht schlecht! In der ein oder anderen Situation können sie sehr hilfreich sein, aber man sollte einen Erziehungsstil nicht als die einzig universelle Wahrheit betrachten. Was bei dem einen Kind funktioniert, ist für das andere Kind gar nichts. Es gibt ruhige Kinder und lebhafte Kinder. Es gibt Mädchen und Jungen. Jedes Kind, jedes Geschlecht, hat seine Eigenheiten und Vorlieben und das Ziel ist, dass der Nachwuchs irgendwann diese Gesellschaft mitprägen kann und wird. Die Eltern sind irgendwann alt und gesamtgesellschaftlich gesehen nicht mehr relevant. Das, was wir unseren Kindern mitgeben, tragen sie hinaus in die Gesellschaft. Was wünschen wir uns für eine Zukunft für unsere Kinder? In was für einer Gesellschaft sollen sie leben? Das sollten wir unseren Kindern beibringen. Groß werden sie von alleine und das schneller als einem zu Beginn der Elternschaft bewusst ist. Investieren wir in erster Linie Zeit in unsere Kinder, denn mit dem Faktor Zeit kann man mehr erreichen als mit allem anderen und daran werden sich die Kinder später erinnern.

Unsere Kinder sind die Zukunft! Wie wir unsere Kinder erziehen und prägen, so wird die Gesellschaft in dreißig Jahren aussehen.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Bild von Brad Dorsey auf Pixabay

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