Unser Entscheidungsweg zu einer Vasektomie

Es folgt ein persönlicher und informativer Text über die Entscheidungsfindung eine Vasektomie durchführen zu lassen und ein kleiner Ausschnitt über unsere Verhütungsmethoden vor diesem Schritt.

Als mein Mann und ich noch keine Kinder haben wollten, verhüteten wir zu Beginn ausschließlich mit Kondomen, da wir uns beide einig waren, dass ich weder Pille, noch Spirale, noch sonstige künstlich-hormonelle Verhütungsmethoden nehmen soll oder auch will. Vor allem aufgrund der vielen langfristigen und kurzfristen Nebenwirkungen, durch die regelmäßige Einnahme von Hormonen. Nach einer Weile, als wir uns sicher waren, dass ein Kind nun nicht mehr das Ende der Welt bedeuten würde, gingen wir auf die Kalendermethode über. Sprich, die fruchtbaren Tage werden anhand eines sehr regelmäßigen (!!!) Zyklus ausgerechnet und nur während der fruchtbaren Zeit ein Kondom benutzt. Diese Methode wird als unsichere Methode gewertet und nur in festen Partnerschaften empfohlen, in der eine Schwangerschaft nicht völlig ausgeschlossen ist. In Verbindung mit der Temperaturmessung und der Zervixschleimbestimmung würde es sich jedoch dann zu einer sicheren Methode entwickeln. Wer diese Methoden jedoch durchführen möchte, MUSS absolut konsequent sein und es ist logischerweise nicht für promiskuitive Menschen geeignet. Einen entscheidenden Vorteil hat diese Methode jedoch, dass wenn dann ein Kinderwunsch besteht, kann man so einfach seine fruchtbaren Tage bestimmen und einer erfolgreichen Schwangerschaft steht wenig im Wege. Zudem kennt auch der Mann den Zyklus seiner Frau, was wie ich hörte, nicht so oft der Fall ist, wenn zu hormonellen Verhütungsmethoden gegriffen wird.

Bei uns ging es gut, bis zum dritten Kind. Die dritte Schwangerschaft war zu dem Zeitpunkt für uns lediglich ein paar Jahre zu früh, das Kind war also nicht unerwünscht, lediglich ungeplant. Kind zwei war elf Monate alt, mein Zyklus spielte sich langsam wieder ein, war jedoch noch sehr unregelmäßig und eine Berechnung meiner fruchtbaren Tage war folgend noch nicht zu hundert Prozent möglich. Wir waren nicht vorsichtig genug und so kam es, wie es kommen musste, ich wurde erneut schwanger. Danach war uns beiden jedoch klar, dass dies unser letztes Kind sein würde und so entstand in uns nach und nach der Wunsch, nach einer dauerhaften Lösung für die Verhütung. Wir informierten uns, gingen die verschiedenen Methoden durch, unterhielten uns mit Freunden und Bekannten, die ebenfalls schon eine finale Lösung vollzogen hatten und nach einer längeren Entscheidungsfindung entschied sich mein Mann für den Schritt, eine Vasektomie durchführen zu lassen.

Für viele mag diese Entscheidung unsinnig erscheinen, denn warum nicht bei mir, der Frau? Wieso überhaupt? Dazu sechs Punkte, über Überlegungen, die bei unserer Entscheidungsfindung mit eingeflossen sind:

  • Erstens sind wir der Meinung, die Frau sollte nicht alleine für die Verhütung zuständig sein. Der Mann kann genauso Verantwortung für den geplanten Kindersegen übernehmen. In unserer Ehe hat sich immer schon mein Mann, sehr verantwortungsvoll, um die Verhütung gekümmert und ja, ich weiß, dies ist nicht Standard. Ich nahm noch nie eine hormonelle Verhütung ein. Wir verhüteten ausschließlich natürlich.
  • Zweitens, der Eingriff beim Mann erfolgt ambulant und kostet € 500, – bis € 600,– und ist unkompliziert. Bei der Frau ist dies eine Operation mit stationärem Aufenthalt und wenn nicht im Zuge eines geplanten Kaiserschnittes, je nach Methode, auch sehr kosten- und zeitintensiv.
  • Drittens, hierzulande, in unserer Region ist es mittlerweile etwas recht Normales. Einige Männer aus unserem Bekannten-, Verwandten- und Freundeskreis fällten schon diese Entscheidung und es werden immer mehr. In den städtischen Gebieten ist es wohl schon länger normal und auch in unseren ländlichen Gegenden, in denen die Familien häufiger einen sehr reichen Kindersegen zu verzeichnen hatten und die Frauen in Folge oft dauerschwanger waren, ist diese Methode mittlerweile angekommen.
  • Viertens, wir sind verheiratet. Punkt. Eine lebenslang bindende und verbindliche Entscheidung. Komme da was wolle. Die Ehe ist dann erst aufgelöst, wenn einer von uns beiden verstirbt. Daher ist war für uns die Frage schon immer unsinnig: “Aber wenn man mit einem anderen Partner mal noch Kinder möchte!?” Dies ist keine Option. Für keinen von uns beiden. Auch falls einer von uns beiden verstirbt, war klar, keiner möchte mit einem anderen Partner mehr Kinder.
  • Fünftens, was ich habe ich davon? Wenn durch eine einfache Sterilisation meinerseits z.B. die Menstruation weggefallen wäre, DANN hätte ich es machen lassen… *😉 Aber dies ist nicht der Fall und wenn sich sonst nichts ändert und es sogar aufwändiger, kosten- und zeitintensiver als beim Mann ist, ist die Entscheidung in einer fixen Partnerschaft recht einfach. Zudem hat man bei der Vasektomie immer noch ein Hintertürchen offen.
    *Es gibt eine Methode, aber die zerstört bei der Frau wirklich ALLES innen drin. Während zwei Operationen werden die Eileiter komplett entfernt und die Gebärmutter durch Strom und folgend Hitze komplett verödet. Dadurch hätte Frau auch keine Periode mehr, aber es wäre alles völlig irreparabel geschädigt und Frau müsste sich in Folge auch über eine längere Zeit schonen, wie es nach jeder OP notwendig ist, was als Mutter schlichtweg unmöglich ist und zudem wäre es glaube der Fall, dass man danach lebenslang Hormone einnehmen muss.
  • Sechstens, die Verhütung fällt weg. Klar. Wir verhüteten ausschließlich natürlich, was zur Folge hatte, dass wir uns stets rückversichern mussten, ob fruchtbare Tage vorliegen oder nicht und dementsprechend handeln. Trotz Verhütung bestand immer die “Gefahr” einer Schwangerschaft. Was zu Zeiten der Kinderplanung kein Problem darstellte, wenn man jedoch keine Kinder mehr möchte ein Druck, der besonders auf mir lastete und ich daher unser Sexualleben nicht mehr richtig genießen konnte.

Vor der Vasektomie musste mein Mann zu Voruntersuchungen und Vorgesprächen. Es wurde nach den Lebensumständen gefragt und vor allem sein Alter und sein Familienstand unter die Lupe genommen. Er wurde über die Operationsmethode aufgeklärt, über etwaige Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt und gefragt, ob er sich mit dieser Entscheidung sicher sei. In Österreich gilt, dass ein Mann (oder auch eine Frau) erst mit der Vollendung des 25. Lebensjahres dauerhaft unfruchtbar gemacht werden darf. In anderen Ländern sind die Bestimmungen sehr viel lockerer. Soweit ich im Moment weiß, besteht in Deutschland keine Einschränkung bezüglich des Alters.

In Deutschland sind 3 % aller einwilligungsfähigen 20- bis 44-jährigen Männer vasektomiert. Weltweit sind es weniger als 3 % der Männer. Spitzenreiter sind Kanada mit 22 %, Großbritannien mit 19 %, Korea mit 17 %, Australien und Neuseeland mit 15 % und die USA mit knapp 10 %

Es ist eine dauerhafte Entscheidung, die sehr gut überlegt sein will und jeder gute Arzt lässt den psychischen Zustand, sowie das Alter seines Patienten und ob schon Kinder vorhanden sind, in die Entscheidungsfindung miteinfließen. Ein Zwanzigjähriger, der aufgrund seiner Promiskuität lediglich keine Lust hat, ordentlich zu verhüten, würde zum Beispiel von dem Arzt meines Mannes nicht operiert werden. Erstens wegen den gesetzlichen Bestimmungen in Österreich und zweitens wegen des jungen Alters. Ein Zwanzigjähriger ist gut und gerne noch fünfzig Jahre zeugungsfähig und wird vielleicht in zwanzig Jahren seine Traumfrau treffen und dann doch noch einen Kinderwunsch verspüren. In diesem Fall bestünde zwar die Möglichkeit eine Rückoperation (Refertilisierungsoperation), die jedoch sehr kostspielig ist, von einem Spezialisten durchgeführt werden muss und danach auch nur noch maximal 65% der Zeugungsfähigkeit vorhanden sind. Zudem gibt es keine Erfolgsgarantie, es funktioniert in ungefähr 70% der Fälle. Hier gilt, je früher nach der Vasektomie die Refertilisierungsoperation durchgeführt wird, desto wahrscheinlicher ist ein Erfolg.

Für uns war es eine sehr gute Entscheidung, die wir uns jedoch absolut nicht leicht gemacht haben. Mein Mann war sich lange unsicher, ob er sich wirklich dieser Operation unterziehen soll. Heute sind wir beide glücklich mit dieser Entscheidung. Wichtig: Es ist eine weitreichende Entscheidung, die sehr sorgfältig überdacht werden sollte!


Quellen und weitere Informationen:

https://www.gesundheit.gv.at/leben/sexualitaet/verhuetung/verhuetungsmittel/operative-verhuetung/vasektomie

https://de.wikipedia.org/wiki/Vasektomie

https://www.vasektomie.de/informationen/wissenswertes.html

http://www.sterilisation-frau.info/methoden

Dieser Beitrag erschien zuerst auf: https://schoenerlieben.blog/unser-entscheidungsweg-zu-einer-vasektomie/

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Bild von Darko Djurin auf Pixabay und Bild von Walter Bichler auf Pixabay

2 Replies to “Unser Entscheidungsweg zu einer Vasektomie”

  1. Ich schätze diesen Blog darüber, wie Sie und Ihr Mann entschieden haben, dass eine Vasektomie für Sie beide richtig war. Mein Bruder und seine Frau haben entschieden, dass sie mit dem Kinderkriegen fertig sind. Ich werde mit meinem Bruder darüber sprechen, wie eine Vasektomie für ihn eine Option sein könnte.

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