cell phone in hands

Wenn die Nutzung der sozialen Netzwerke einem schadet

Soziale Netzwerke sind ja schon irgendwie sowas wie eine Droge, oder? Man weiß, dass es nicht gut ist, wenn man zu viel Zeit dort verbringt, aber man tut es trotzdem, weil es sich gut anfühlt. Negative Nebeneffekte wie dass reale Kontakte immer weniger werden, die Umgangsformen beginnen zu hinken, (politische und religiöse) Sichtweisen sich radikalisieren und wichtige Dinge des alltäglichen Lebens auf der Strecke bleiben, werden bei übermäßiger Nutzung jedoch sichtbar für das Umfeld, die Familie.

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber wenn ich zu viel Zeit auf den sozialen Netzwerken meiner Wahl verbringe, verändert sich mein Denken irgendwann ins Negative (im Grunde bin ich ein recht locker-positiver Mensch), das ist dann der Zeitpunkt an ich mir selbst gestehen muss: Es wurde wieder zu viel! Während einer ganz extremen Phase folgte ich einem Gedankenblitz und fragte in die Runde, ob jemand etwas von einer Studie weiß, wonach sozialen Netzwerke ein Auslöser für Depressionen sein können und tatsächlich, es gibt eine Studie.

Im Jahre 2014 wurde in den USA eine Clusteranalyse mit 1730 Erwachsenen im Alter von 19 bis 32 Jahren durchgeführt. Es ist herauszulesen, dass besonders Personen, die die sozialen Netzwerke sehr viel nutzen, außerhalb diesen keine oder wenig soziale Kontakte haben und eine hohe emotionale Bindung an ihre sozialen Netzwerke haben, besorgniserregend stark zu Depressionen und Angstzuständen neigen. Es gibt also ein zu viel, es besteht eine Suchtgefahr, eine Gefahr der Abhängigkeit.

Was hilft mir, wenn ich merke, dass es wird zu viel?

Da hilft nur eine Radikalkur! Apps löschen, Accounts stilllegen, Smartphone ausschalten und es bei Spaziergängen usw. einfach mal zu Hause liegen lassen. Keine Ausreden anführen, von Wegen, dass man das Smartphone für Fotos braucht (die man posten kann), oder falls ein Notfall auftritt, um Hilfe rufen zu können (jeder hat heute ein Smartphone einstecken, falls wirklich was passiert, kann man jeden fragen, ob er Hilfe ruft). Denn, früher ging es doch auch ohne, oder? Die Sache mit den Smartphones kam erst auf, als ich Anfang zwanzig war (ich erst mit Mitte zwanzig), davor war ein Handy zum Telefonieren und SMS schreiben da, ein paar Spiele waren auch noch drauf, aber man hatte es unter tags recht wenig in der Hand. Ich mal. Da war der PC schon interessanter mit den Chatrooms (z.B. Knuddels, jesus.de), die ich dazumal nutzte. Aber die PC-Zeit war begrenzt, man konnte nicht den ganzen Tag vor dem PC sitzen. Gut, können schon, aber da war noch die Arbeit, die Familie und die Freunde, die einem auch noch sehr wichtig waren und dafür musste man vom PC weg, vom Internet weg. Klar, die ersten Schritte mit Smartphone waren dann schon irgendwie lässig, weil die Onlinezeit nicht mehr an den Bürostuhl gekoppelt war und einem so Freiheit suggeriert wurde, aber es besteht eben die Gefahr, ständig online sein zu wollen, um ja nichts zu verpassen. Und das bricht leider vielen das Genick, da man die reale Welt um sich herum, die Freunde, den Ehegatten, die Kinder, die Bekannten, die Nachbarn und viele mehr, vernachlässigt.

Es gibt immer mehr Singles, wäre es eventuell möglich, dass die sozialen Netzwerke, die ein imaginäres soziales Umfeld schaffen, auch daran beteiligt sind? Ich meine, mal was dazu gelesen zu haben. Die Beziehungsfähigkeit im realen Leben nimmt ab, denn wenn einen etwas am anderen stört, kann man die Person nicht einfach blocken, stumm schalten, die Kommentare oder den Chat löschen, sondern muss sich mit der Person auseinandersetzen. Wie heißt es so schön: Beziehung ist Arbeit! Klar, Beziehung ist auch schön, sehr schön, aber es gibt eben auch Zeiten, in denen viel von einem gefordert wird. Einsamkeit ist ein weitverbreitetes Problem, welches sich nicht durch kurzfristige körperliche Kontakte, oder nur durch Onlinekontakte beheben lässt. Einsamkeit lässt sich nur durch echte, reale und regelmäßige Kontakte beheben.

Eine Freundin erzählte mir heute noch von einem Buch über Erziehung, die die neuen Erziehungsmethoden, wonach die Kinder alles machen dürfen, was sie wollen und schon im Kleinkindalter nach der Meinung gefragt werden in negativen Zusammenhang mit der übermäßigen Smartphonenutzung gebracht wurde. Muss sie bei Gelegenheit mal noch fragen, wie das Buch hieß, habe es vergessen? Gut, wahrscheinlich werde ich es sowieso nicht lesen, da ich keine Erziehungsbücher mag. Wie auch immer. Passt nicht wirklich rein, aber es gehört doch auch irgendwie dazu.

Ein Merksatz für mich, vielleicht auch für euch: Alles, was man zu viel, zu lange, zu intensiv macht, schadet einem irgendwann.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Anni Side | andererseits.at

3 Replies to “Wenn die Nutzung der sozialen Netzwerke einem schadet”

  1. Also negativ und depressiv war ich schon lange, bevor ich Social Media genutzt habe. 😃

    Ansonsten finde ich deine Gedanken schon gut nachvollziehbar. Lediglich die Radikalkur sehe ich kritisch. Meines Erachtens sollte man lernen, Dinge wie Smartphones, Apps und Social-Media-Konten verantwortungsvoll zu nutzen, anstatt entweder süchtig zu sein oder die völlige Abstinenz zu pflegen. Außerdem baut der Ruf nach der Radikalkur eine Hürde auf: Wenn Leute einfach nur ihre Social-Media-Aktivitäten reduzieren wollen, ihnen aber vermittelt wird, die einzige Lösung sei das völlige Aufgeben von Social Media, dann ändern sie wahrscheinlich gar nichts.

    1. Wie gesagt, bei mir hilft das, hat es schon häufig geholfen, meinen Fokus wieder geradezurücken. Denn, so nett die Onlinekontakte auch sind, sie haben nichts damit zu tun, mit was man sich im Alltag auseinandersetzen muss: Arbeit, Freunde, Familie.

      Kann, darf, soll, muss, jeder so machen/ handhaben, wie es für ihn/sie am Besten ist!

      Bist du der Ansicht, dass die Social Media Nutzung deine Depressionen verstärkt hat, oder ist es gleichbleibend? Kannst du überhaupt noch einen Vergleich mit/ ohne ziehen?

      Völlig aufgeben oder nicht? Geht das überhaupt heute noch? Ich glaube nicht. Allein die Messenger gehören heute ja schon standardmäßig zu jeder Kommunikation dazu.
      Aber falls es wirklich zu einer Abhängigkeit kommt, dann wäre so eine Radikalkur für eine ganze Weile evtl. sehr sinnvoll.

      1. Ich blogge schon sehr lange (allerdings mit größeren Pausen), aber bei Twitter bin ich erst seit 2018. Dass die Twitter-Nutzung nennenswerte Auswirkungen auf meine seelische Gesundheit hat, kann ich nicht erkennen. Ich kann nicht ausschließen, dass Twitter mein seelisches Wohl unterm Strich negativ beeinflusst, aber der Effekt wäre dann wohl so gering, dass er von anderen Effekten völlig überlagert würde.

        Ich finde die Ablehnung, die mir oft auf Twitter entgegenschlägt, manchmal sehr belastend, habe aber wiederum positive Dinge im Leben, an denen ich mich aufrichten kann. Auf Twitter bin ich, um das Denken anderen Menschen positiv zu beeinflussen und Leser für mein Blog zu gewinnen. Dafür nehme ich gewisse Unannehmlichkeiten in Kauf. Es kam mehr als einmal vor, dass mein Gefühl mir sagte, dass ich mir diesen dummen und hasserfüllten Gegenwind, den ich zuweilen auf Twitter zu spüren bekomme, nicht antun möchte, aber mir war auch klar, dass ein Rückzug von Twitter mich ebenfalls unglücklich machen würde, weil ich dann meine Meinung dort nicht mehr zu Gehör bringen würde. Außerdem gibt es ja auch positive Twitter-Erfahrungen. Jedes Like ist zum Beispiel ein kleiner Balsam für meine Seele. 🙂

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