photo of gray fish caught by fishing rod

Auftrag: Menschen gewinnen!

Wer mir auf Twitter folgt, der bekommt immer wieder meine Gedankengänge mit. Vor einiger Zeit schrieb ich, dass ich mich nicht mehr auf theologische Streitgespräche via Twitter einlasse, da dies laut mir nichts brächte. Einige Follower geben mir gegenüber offen zu, dass sie mit dem Glauben an den Gott der Bibel nichts anfangen können. Manche verhielten sich dem gegenüber sogar ziemlich ablehnend, bis mir gegenüber sehr abschätzend, wenn ich meine Sichtweise von der Bibel erläuterte. Wieder andere sagten, sie glauben an den Gott der Bibel, sind jedoch mit dem nicht einverstanden, wie ich mich zu diversen Themen (Islam, Homosexualität usw.) äußere. Ich schrieb schon mal, dass es schon vorkam, dass mich Glaubensgeschwister per privater Nachricht anschrieben und mir sagten, dass ich absolut falsch läge mit meiner Auslegung von der Bibel und sie daher meinen Blog nicht mehr unterstützen würden, sprich meine Inhalte nicht mehr teilen würden. Ich war innerlich voller Wut, weil mir das wie eine Erpressung gleichkam: „Entweder du bist mit mir/ mit uns auf einer Linie, oder du wirst geächtet.“ Wer mich kennt, der weiß, dass ich bei sowas gleich komplett dicht mache. So lasse nicht mit mir sprechen und wenn dann nur von Personen, die ich sehr schätze und die mich ganz genau kennen und das sind sehr wenige Personen in meinem Leben. Aber sei’s drum, das ist heute nicht das Thema.

Diese Diskrepanzen aus dem Netz sind mir auch aus dem Umfeld, aus der Familie bekannt, so wie ich aufgewachsen bin, daher kann ich im Grunde recht gut damit umgehen. Meine Eltern bekehrten sich (so nennt man es in freikirchlichen Kreisen, wenn man bewusst anfängt, Jesus Christus nachzufolgen), als ich ein Schulkind war. Davor lebten sie ein normales Leben, wie es in den 80ern zu der Zeit als junger moderner Mensch normal war. Mein anderthalb Jahre jüngerer Bruder und ich wurden noch ganz traditionell getauft, allerdings evangelisch und nicht katholisch, was auch schon ein Fehltritt in der Familie meiner Mutter war. Der nächste große Eklat kam, als meine Eltern behaupteten, dass weder die katholische noch die evangelische Kirche das Christentum richtig lehren würden, ja, diese sogar der Irrlehre bezichtigten und sich einer Freikirche zuwandten und folgend irgendwann darauf, aus den Kirchen austraten.
Was im Grunde erst einmal gar nicht so schlimm klingt, war dazumal jedoch ein ziemlich großes Ding für die Familie, Freunde und Bekannten. Es beinhaltete nämlich, dass meine Eltern mit der Vergangenheit brachen und somit auch mit ihren Freunden und Bekannten von früher. Sogar innerfamiliär kam es zu einer Art Bruch vonseiten meiner Eltern, indem sie die nicht-christlichen Verwandten mieden. „Mit der Welt brechen“ nannte man das. Dies war ein völlig normales Prozedere für die freikirchlichen Christen zu der Zeit. Ähnliches hörte ich auch von der Familie meines Mannes, die sich ebenfalls zu ungefähr derselben Zeit einer Freikirche zuwandten.

Wie ich nun heute von der Verwandtschaft höre, waren viele entsetzt darüber und konnten es nicht verstehen. Ehemalig gute Freunde wurden quasi verbannt. Gute Kontakte abgebrochen. Vieles verteufelt, was für diese Menschen dazumal ganz normal war.
„Warum man nicht normal miteinander umgehen kann, trotz verschiedenartiger ideologischer Ausrichtungen?“, wurde ich vor kurzem von einem nahen Verwandten gefragt. Ich musste ihm zustimmen. Auch, weil es heute nämlich nicht viel anders ist, wenn auch auf einer anderen Ebene.

Diese extremen Lehren, die besagten, dass man alles Weltliche auf Biegen und Brechen aus den christlichen Gemeinden heraushalten MUSS, sind fast nicht mehr vertreten (oder ich kenne sie nicht mehr). Heute ist häufig das Gegenteil der Fall, in vielen Gemeinden herrscht eine große Offenheit bezüglich weltlicher Dinge. Meine Generation ist nun am Ruder und versucht die Vergangenheit aufzuarbeiten. Eine Vergangenheit, die mit viel Einschränkungen verbunden war: Der Begriff „geistlicher Missbrauch“ fällt des Öfteren und ja, natürlich ist dieser in dem ein oder anderen Fall begründet!
Wir durften als Kind bei vielem nicht mitmachen, was für das Umfeld, die Freunde, die Mitschüler normal war, weil es „böse“, „teuflisch“ und „weltlich“ war, dementsprechend abgeschottet und nur unter ihresgleichen wuchsen viele Kinder aus meiner freikirchlichen Generation auf.

Ich vermute, dass dies heute viele Christen aufarbeiten, indem sie komplett ins Gegenteil umschlagen, was meiner Meinung nach auch ein Fehler ist.

Ein Spruch, den ich hörte und den ich für richtig befunden hatte: „Wir leben in dieser Welt, aber nicht mit dieser Welt.“ Für mich heißt das, wir leben hier, wie jeder andere Mensch auch. Wir atmen dieselbe Luft, arbeiten an denselben Arbeitsstätten, besuchen dieselben Bildungseinrichtungen. Warum also kann man nicht normal miteinander umgehen? Menschlich, nett, höflich und liebevoll? Weswegen kann man nicht miteinander befreundet sein? Warum keinen normalen Umgang miteinander pflegen? Wir leben alle auf derselben Erde, haben dieselben Sorgen, nur mit dem Unterschied, dass ein Christ weiß, wohin er seine Sorgen und Nöte abgeben und wo er irgendwann hingehen kann.

Wenn es allerdings darum geht, dass man Dinge tun soll, die ganz klar Gottes Geboten und den biblischen Werten und Regelungen widersprechen, dann muss man sich entscheiden: Mache ich mit, oder enthalte ich mich, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich vielleicht dafür rechtfertigen muss und gedemütigt oder ausgelacht werde? Letzteres ist wohl am Entscheidendsten für viele und der Grund, warum man sich bei manchen Dingen nicht abgrenzen möchte: Aus Angst, nicht für voll genommen, oder als merkwürdig etc. abgestempelt zu werden. Hier kommt dann das von vorher zu tragen, nämlich dass es wahre menschliche Größe ist, wenn man sein Gegenüber mit seiner Meinung stehen lassen kann und trotzdem normal miteinander umgeht. Man kann seine Gegensätze ausdiskutieren, man kann sich darüber unterhalten, aber trotzdem nicht in Streit auseinandergehen, sondern sich danach die Hände reichen und sich trotzdem noch in die Augen sehen können. Friedlich bleiben, trotz Diskrepanzen. Leider fällt mir auf, dass das nicht mal die Christen untereinander schaffen, wie soll das dann klappen, wenn nicht-gläubig und gläubig aufeinandertreffen?

Die Christen untereinander streiten sich gefühlt ständig um verschiedene Bibelauslegungen, besonders wenn es um Sexualität geht, meinem Empfinden nach. Wahrscheinlich empfinde ich das jedoch so, weil ich mich ganz besonders damit beschäftige. Warum kann man nicht aufeinander zugehen? Dass sexuelle Unzucht Sünde ist, kann jeder Laie aus der Bibel herauslesen und dass Gott die Menschen liebt ebenfalls, sowie dass der Mensch kein Richter ist, sondern nur Gott richtet. Warum nicht diese beiden Dinge positiv miteinander verbinden und sagen: Ja, Gott liebt den Sünder, aber verabscheut die Sünde? An erster Stelle steht jedoch erst einmal der Mensch an sich, der gerettet werden muss, um die Chance zu haben, zu Gott kommen zu können und da helfen keine Worte, die ihn und seine Empfindungen als falsch darstellen. Ich weiß, dass dies ein Hürdenlauf ist und wenn ich raten müsste, vermute ich, dass es fast schon zu spät ist, da jetzt noch eine Lösung zu finden. Viele Aussagen in den sozialen Netzwerken, von vornehmlich von linken und rechten Aktivisten/ Extremisten sind religionsfeindlich und vor allem christenfeindlich.

Niemand hat gesagt, dass es leicht ist, wenn man sich daran hält, was Gott sagt. Und so wird es immer bleiben, denn Christen mussten sich schon immer gegen viele Vorwürfe wehren und auch viele Vorwürfe aushalten. Christen waren in allen Jahrhunderten Repressalien ausgesetzt, wenn sie sich an Gottes Wort hielten.
Die Christen stritten sich schon immer untereinander um die „wahre“ Auslegung, wie man in den Evangelien nachlesen kann. Der Mensch ändert sich nicht, auch wenn er meint, er sei besser als alle Menschen, die Jahrtausende vor ihm gelebt haben. Und genau deshalb gilt Gottes Worte damals wie heute, denn die Sünden und Vergehen bleiben immer dieselben. Allerdings sollten wir uns vielleicht nicht in unserem „Leid“ suhlen, sondern unseren Auftrag wieder ernster nehmen, nämliche Menschen für den Glauben an unseren Herrn Jesus gewinnen.

Dazu folgender, sehr erhellender, Bibelabschnitt:

Ich bin also frei und von niemandem abhängig. Aber um möglichst viele für Christus zu gewinnen, habe ich mich zum Sklaven aller Menschen gemacht. Damit ich die Juden für Christus gewinne, lebe ich wie ein Jude: Wo man alle Vorschriften des jüdischen Gesetzes genau befolgt, lebe ich auch danach, obwohl ich nicht mehr an sie gebunden bin. Denn ich möchte auch die Leute gewinnen, die sich dem Gesetz unterstellt haben. Bin ich aber bei Menschen, die dieses Gesetz nicht haben, dann passe ich mich ihnen genauso an, um sie für Christus zu gewinnen. Das bedeutet aber nicht, dass ich mich gegen Gottes Gebote stelle. Ich befolge das Gesetz, das Christus uns gegeben hat. Wenn ich mit Menschen zu tun habe, die arm und rechtlos sind, dann begebe ich mich mit ihnen auf eine Stufe, um sie für Christus zu gewinnen. Ich möchte mich allen gleichstellen, um auf jede erdenkliche Weise wenigstens einige Menschen zu retten. Dies alles tue ich für die rettende Botschaft, damit auch ich Anteil an dem Segen erhalte, den sie verspricht.
1.Korinther 9,19-23

In dem Abschnitt steht nichts von Abgrenzung gegenüber den Menschen, die errettet werden sollen, ganz im Gegenteil. Man soll sich unter sie mischen und so leben, wie sie leben, aber trotzdem Gottes Gebote achten.

Würde mich über eure Gedanken zu dem Thema freuen! 🙂

Bild mit freundlicher Genehmigung von Anni Side | andererseits.at

2 Replies to “Auftrag: Menschen gewinnen!”

  1. Hallo Anni,

    danke für deinen wunderschönen Beitrag.
    Als ich ihn gelesen habe, arbeitete im Hinterkopf schon mein Kommentar, bis ich 1.Korinther9:19-23 am Ende gelesen habe. Gott sagt damit alles aus. Ich hoffe viele überdenken ihre Ablehnung des Anders sein. Lass uns Menschen Fischer werden, wie Jesus sagte, nicht die gesunden brauchen einen Arzt. Gesegnete Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.