little boy playing in the sand

Kinderbetreuung auf dem Prüfstand

Zuletzt aktualisiert am 29. September 2020 von Anni Side

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es einige ErzieherInnen. Zumeist Frauen, die den Beruf aus Liebe zu Kindern ergriffen haben, oftmals kurz aufhören, um sich um ihre eigenen Kinder zu kümmern, und dann später wieder einsteigen. Die meisten lieben ihren Beruf, auch wenn man immer wieder hört, wie anstrengend er ist. Die Rahmenbedingungen stimmen nicht: Enorme Personalprobleme, gepaart mit zu wenig finanziellen Mitteln und folgend leider häufig auch Differenzen untereinander. Und das ist auch das, was ich im Netz mitbekomme. Entweder über-kritische Seiten, oder persönlich betroffene Personen, dabei ist es übrigens egal, ob Deutschland oder Österreich, die Probleme sind überall dieselben. Obwohl Deutschland durch das Gesetz, dass jedes Kind ein Recht auf einen Kitaplatz hätte, doch schon aus dem Rahmen fällt.

In Österreich müssen die Eltern für die Betreuung ihrer Kinder bis zum dritten Lebensjahr des Kindes komplett selbst aufkommen, ab dem dritten Lebensjahr wird die Betreuung gefördert und ab dem fünften Lebensjahr (Pflichtkindergartenjahr) komplett übernommen.

Kinder ab 1 Jahr haben Anspruch auf einen Kitaplatz. In bevölkerungsreichen Regionen wie Berlin oder NRW ist der Bedarf an Kindertagesbetreuung aber nicht gedeckt. Bei erfolgloser Suche oder Ablehnung des Jugendamtes können Eltern den Kindergartenplatz gerichtlich einfordern oder Kostenerstattung für alternative Betreuungsmodelle fordern.

https://www.advocado.de/ratgeber/verwaltungsrecht/kita-platz/rechtsanspruch-auf-einen-kita-platz.html

Das Blöde an der Sache ist, dass es viel zu wenig Personal gibt, um diesem Rechtsanspruch gerecht zu werden. Damit wirklich jedes Kind ab einem Jahr einen Kitaplatz bekommen könnte, müsste man Menschen Zwangsverpflichten, dem Beruf einer ErzieherIn nachzugehen. Ist natürlich Quatsch, eh klar, man kann niemand zwingen einen Beruf auszuüben und wäre auch kontraproduktiv für das Wohl unserer Kinder, aber was soll man sonst tun? Das ist die große Frage.

FUNK hat mal Erzieher und Lehrer befragt (ich finde das Video nicht mehr) und da kam heraus, dass die meisten Lehrer und Erzieher nach ein paar Berufsjahren wieder aussteigen, weil der Beruf zu anstrengend ist und eben die Rahmenbedingungen für ein persönlich erfolgreiches Berufsleben nicht gegeben sind.

Eltern hingegen sind sich sehr häufig am Beklagen, dass ihre Bedürfnisse für die Betreuung ihrer Kinder nicht gegeben/ nicht gewahrt sind.

Was sind die Gründe? Tragen wir mal zusammen, was ich weiß:

  • Lehrer und Erzieher sind der Ansicht, dass Erziehung zu Hause geschehen muss und nicht sie für die Umgangsformen sowie die grundlegendste Erziehung verantwortlich sind. Dennoch fehlen diese Grundlage vielen Kindern, wodurch der Job als Lehrer oder Erzieher sehr erschwert wird.
  • Eltern wollen ihre (Erziehungs-) Grundsätze auch in der Kita und in der Schule gewahrt sehen, schicken ihre Kinder jedoch u.a. ganztags in Betreuung, sodass sie gar keinen Einfluss mehr haben (dürften?). Individualität kann in der Masse der Kinder und unterschiedlicher Herkünfte nicht gewährleistet werden. In den Betreuungseinrichtungen muss die Gruppe als ganzes funktionieren, Querschläger sind anstrengend und im Grunde nicht tragbar, was auch für die Eltern gilt, die sich immer wieder in die Arbeit der Erzieher und Lehrer einmischen.
  • Eltern werden in unserem (politischen) System mehr oder weniger gezwungen ihre Kinder in Betreuungseinrichtungen abzugeben, um wieder arbeiten gehen zu können. Eltern, die sich dem entziehen, werden schief angesehen, was natürlich regional sehr unterschiedlich ist. Vor allem in ländlichen Gebieten ist es eher normal, dass die Frau zu Hause bei den Kindern ist, während es in städtischen Gebieten einem Frevel gleich kommt.
  • Lehrer und Erzieher sind in unserem heutigen System die Hände gebunden. Wo sie früher über den Eltern und vor allem Kindern standen, stehen sie heute darunter. Es wird diktiert (von Staat und Eltern) und sie müssen handeln. Es ist keine Balance mehr vorhanden. Sie haben die Verantwortung für unsere Kinder, aber mehr Pflichten als Rechte. Die Eltern wollen die Oberhand über ihre Kinder, aber sie dennoch nicht selbst erziehen und betreuen müssen. Dass das nicht funktioniert, versteht sich von selbst.
  • Eltern sind sich heute zu unsicher. Sie wissen nicht mehr, was sie in der Erziehung dürfen und was nicht. Darf man überhaupt noch erziehen, oder ist das schon Kindesmissbrauch, dem Kind zu sagen, was es zu tun und zu lassen hat? (Habe ich wirklich schon in so einigen Elternforen gelesen). Dementsprechend sind sie überfordert und ungehalten, wenn in den Kindergärten strenge Regeln gelebt werden und Verhaltensübertretungen nicht geduldet werden. (manchmal/ sehr oft schüttel ich den Kopf über diverse Netzmütter, aber… sie wahrscheinlich auch über mich… ;))

Was also tun? Ehrlich gesagt, keinen blassen Schimmer. Dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie schwer ist, weiß man spätestens ab dem Zeitpunkt, wenn man selbst mal Kinder hat. Die Politik und die Feministinnen können viel labern und von der Unterdrückung der Frau sprechen, wenn man anmerkt, dass es besser sei, wenn die Frau zu Hause bei den Kindern bliebe, besser sei für Mutter und Kind. Von mir aus soll auch der Vater zu Hause bleiben und die Mutter zum Arbeiten gehen, wie es für die Familie besser passt. Aber, das BEIDE zum Arbeiten gehen und das Kind ganztags betreut wird, dieses Konzept wird auf Dauer nicht für alle möglich sein. Für uns persönlich ist es jetzt schon nicht möglich, weil unsere Berufe, bzw. Arbeitszeiten, nicht kompatibel miteinander sind. Aber ich habe auch kein Problem damit, zu Hause zu bleiben.

Ich bin gerne Hausfrau und Mutter, es ist mein Job, der ganz klar auch häufig sehr stressig ist, denn drei Kinder zu betreuen ist nicht ohne. Und nun überlegt mal, wie es zwei bis drei ErzieherInnen in einer Gruppe mit 20 Kindern geht… Lärm, Streit, unterschiedliche Herkünfte und Bedürfnisse. Ich kann verstehen, dass niemand mehr den Job machen möchte. Ich würde es nicht tun wollen und trotzdem bin ich selbstverständlich froh, dass es immer wieder junge Männer und Frauen gibt, die diesen Beruf ergreifen wollen! Denn, natürlich bin auch ich über ein paar kinderfreie Stunden froh, auch wenn ich diese in den letzten Jahren gut zählen konnte, ohne durcheinander zu kommen.
Meine Kinder sind in der schönen Lage, dass sie nicht in die Betreuung gehen müssen, wenn sie nicht wollen. Was mein Zweiter letztes Jahr für sich beanspruchte und wir ihn zum Halbjahr vom Kindergarten abmeldeten, weil er nicht mehr gehen wollte. Sprich, ich betreute bisher zwei meiner drei Kinder ganztags selbst. Ich hoffe, es wird ab dem Schuljahr anders und mein Zweiter findet gefallen am Kindergarten, sodass ich nur noch ein Kind halbtags zu Hause habe- bisher sieht es nicht danach aus… Der Erste ging gerne in den Kindergarten und geht nun seit zwei Wochen in die Schule. Nächstes Jahr könnte dann meine Jüngste auch in den Kindergarten, dann zählt sie zu den Dreijährigen. Externe Kleinkindbetreuung kam für mich nie infrage.

Ein Thema, welches unsere Gesellschaft spaltet. Und ich sag mal so, wenn es niemanden mehr gibt, der den Job der Kinderbetreuung machen will, dann ist die ganze Situation von Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowieso hinfällig und der Vater oder die Mutter MUSS zu Hause bleiben und braves Hausmütterchen oder Hausväterchen spielen.
Mein Einwurf noch zu Vätern in der Rolle des Hausmannes: Da können unsere Feministinnen noch so lange schreien und auch den Mann für diese Aufgabe vorsehen wollen, im Grunde ist es doch überwiegend die Mutter, der diese Aufgabe zuteil wird, wenigstens in Österreich.

Im europäischen Vergleich unterbrechen Mütter in Österreich für eine relativ lange Zeit die Erwerbsarbeit. Lediglich 32 Prozent der Mütter mit Kindern zwischen null und zwei Jahren sind berufstätig. Die Väterbeteiligung an der Betreuung der Jüngsten ist ebenfalls gering: Derzeit bleiben rund 18 Prozent der Väter zumindest zwei Monate beim Kind zu Hause. Beim Modell des einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgelds, das vor allem Besserverdienenden zugutekommt, sind es immerhin rund 28 Prozent der Väter, die sich zeitweise um den Nachwuchs kümmern.

Nach dem sogenannten Wiedereinstieg arbeiten Mütter meist nur stundenweise: Teilzeitarbeit wird zur Normalarbeitszeit österreichischer Mütter. Die Teilzeitquote von Frauen lag laut Statistik Austria 2015 bei 47,4 Prozent. Als Grund für die Teilzeitarbeit geben Frauen zwischen 30 und 45 Jahren vorwiegend Betreuungspflichten an.

https://www.derstandard.at/story/2000046628990/muetter-koennen-nicht-alles-haben
Bild mit freundlicher Genehmigung von Anni Side | andererseits.at

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