Der Weg raus aus dem Konsum von Pornografie

Zuletzt aktualisiert am 5. Oktober 2020 von Anni Side

Pornografie. Heute möchte ich euch über den Einfluss von Pornografie in meinem Leben und in unserer Ehe erzählen. Obwohl ich selbst auch dann und wann über Sexualität blogge, habe ich dieses Thema bisher außen vor gelassen, da ich das Gefühl hatte, es war noch nicht an der Zeit, darüber zu schreiben. Nun denke ich, zwar mit Herzklopfen, dass es an der Zeit wäre und versuche meine und unsere Geschichte, in Verbindung mit diesem Thema, zu erzählen. Ich werde einige private Hintergrundinfos mit einfließen lassen.

Als mein Mann und ich uns kennenlernten, sprachen wir von Beginn an recht offen und ehrlich über unsere Vorstellungen vom Leben. Während ich absolut keinen Plan vom Leben hatte, wusste mein Mann ganz genau, was er vom Leben wollte und das faszinierte mich von Beginn an ihm. Nach ein paar Treffen bei Freunden, saßen wir eines Abends auf der Terrasse eines gemeinsamen Freundes und unterhielten uns unter vier Augen. Wir hatten beide schon etwas Alkohol getrunken, es war sicher, dass wir uns sympathisch fanden und ich dachte mir, ich setze nun alles auf eine Karte, um zu testen, wie und ob das mit uns weitergeht und erzählte ihm, dass ich mir regelmäßig Pornos ansehe und mich selbst befriedige. BUMM. Ich wusste, dass dieses Thema unter Christen ein No-Go ist und spätestens jetzt würde er mich dafür verurteilen und die zarte Bande, die zwischen uns geknüpft wurde, würde von seiner Seite aus aufgehoben werden. Erstens, weil ich Pornos ansehe und mich selbst befriedige und zweitens, weil ich eine Frau bin- bei Männern ist es immer noch „normaler“, dass sie dies tun- und drittens, weil Christen das nicht tun dürfen, denn es wird als ziemlich große Sünde eingestuft. Seine Reaktion, hätte ich mir jedoch nie erträumen lassen. Er grinste mich schief an, gestand mir, dass er sich ebenfalls regelmäßig Pornos ansah und folgend schwärmte er mir vor, wie froh er sei, dass er eine christliche Frau getroffen hat, die nicht so verklemmt sei. Er habe sich bisher nie getraut darüber zu sprechen, aus Angst, von seinen Freunden verurteilt zu werden. Ab diesem Abend war mir, war uns, klar, dass das aus uns etwas Dauerhaftes werden kann. Und etwa zwei Jahre später waren wir verheiratet.

Wie gehen wir mittlerweile damit um?

Ihr könnt euch vorstellen, dass es bei uns dann folgend ziemlich schnell zur Sache ging. Angestachelt durch das, was wir in den Pornos sahen und folgend nun endlich die Möglichkeit, dies auch in echt ausprobieren zu können, taten wir dies. Ein schlechtes Gewissen hatten wir natürlich schon, denn uns wurde jahrelang einbläut, dass Sex vor der Ehe Sünde sei, aber wir wollten einfach nicht warten. Wir versprachen uns, dass wir irgendwann heiraten würden und somit konnten wir unser schlechtes Gewissen, zumindest zeitweise, ausschalten. Wir sahen uns auch manchmal gemeinsam Pornos an und ließen uns davon „inspirieren“.

Ein paar Jahre später…

Wir waren schon verheiratet und bei mir kamen immer häufiger Zweifel, ob das so gut ist, was wir da tun und ich entschloss für mich, keine Pornos mehr zu anzusehen. Auch, weil ich diese im Grunde gar nicht mehr benötigte. Unser gemeinsames Sexualleben erfüllte mich und ich hatte gar kein Bedürfnis mehr, nach externer Stimulation. Ich entschied ganz für mich alleine, dass ich diese Art von Stimulation nicht mehr benötigte und teilte dies meinem Mann auch mit, unterließ es aber, es ihm zu verbieten, es hätte ohnehin nichts gebracht, denn dann hätte er es womöglich heimlich getan und unsere langjährig gepflegte Offenheit wäre futsch gewesen. Wir pflegten von Beginn an einen sehr offenen Kommunikationsstil über Sexualität. Für mich war es keine Überwindung offen über Sex zu sprechen, da ich dies schon länger so handhabte, was mir besonders in christlichen Kreisen des Öfteren eine hochgezogene Augenbraue einbrachte. Was mir jedoch recht egal war, da stand ich drüber.
Inzwischen meint mein Mann, je regelmäßiger und intensiver (befriedigender) unser eheliches Sexualleben sei, desto weniger Gedanken mache er sich um Stimulation von außen. Und diesen Ratschlag gibt er auch gerne an andere Paare weiter: Regelmäßig Sex haben, damit man sich keine Gedanken um anderweitige Stimulation macht.

Meine Entscheidung, keine Pornos mehr anzusehen, war für mich wie ein innerer Befreiungsschlag, auch wenn ich es sporadisch dann schon noch tat. Alte Gewohnheiten legt man selten von heute auf morgen ab. Es war ein Prozess.

„Es sind vor allem Männer, die von der Sucht, ständig Sexfilme gucken zu müssen, gepackt werden. Denn sie reagieren stärker auf visuelle Reize als Frauen. “Der Körper schüttet bei neuen sexuellen Reizen Dopamin aus. Dieser Botenstoff löst das Empfinden von Lust, Verlangen und Glück aus, sagt dem männlichen Gehirn sozusagen immer wieder: “Das ist eine super Erfahrung, die lohnt sich für Dich!”

Die kriminellen Energien hinter der Pornografie

Doch, wie kam es zu dieser Entscheidung? Nun, ich las oder sah „zufällig“ immer wieder Berichte, wonach viele Filmchen, die man sich online und kostenlos ansehen kann, häufig nicht auf die Freiwilligkeit der Protagonisten zurückzuführen sei. Ich beschäftigte mich mit Menschenhandel, mit Zwangsprostitution, mit Pädophilie, mit Vergewaltigungen und damit einhergehend häufig Entführungen von Frauen und Kindern. Ja, harte Kost, ich weiß. Aber es war (und ist es auch heute noch), wie ein innerer Drang, mich damit zu beschäftigen. Und je tiefer ich in die Materie eintauche, desto mehr Grauen kommt für mich zutage.  Besonders im sexuellen Gewaltbereich beruht vieles nicht auf der Freiwilligkeit der ProtagonistInnen! Heute kann ich kein Pornoportal mehr mit gutem Gewissen öffnen, da ich weiß, wie viel Leid da dahintersteckt. All diese gratis angebotene Sexualität im Netz basiert auf dem Leid und der Ausnutzung von Menschen. Klar werden immer wieder die Protagonisten hervorgehoben, die das alles komplett freiwillig tun, aber wie viele sind das und wie viele Sexdarstellungen gibt es im Netz? Und vor allem, wie vielen ist wirklich bewusst, was für einen Schaden es für sie hat, wenn sie sich nackt und schutzlos jedem im Internet zeigen? Die Industrie rund um Pornografie, Prostitution und Pädophilie sind ein florierendes Geschäft. Es werden damit jährlich Millionen umgesetzt und in vielen Fällen sind die Nutznießer nicht die Frauen, sondern deren Zuhälter.  

„90% der Männer, die das Internet nutzen schauen sich häufig Pornos an.  Die Zahl der verfügbaren pornografischen Internetseiten wurde damals weltweit insgesamt auf 340 Millionen, die Zahl der Nutzer in Deutschland auf 6,8 Millionen in einem Monat geschätzt. Laut einer Analyse der Online-Forscher von SimilarWeb aus dem Jahr 2013 bestehen 12,5 % aller Webseitenaufrufe in Deutschland aus Zugriffen auf pornographische Seiten. Gefolgt von den USA, Brasilien und Indien nimmt Deutschland damit weltweit die Spitzenposition ein. Eine Erhebung aus dem Jahr 2006 geht von weltweit jährlich 40 Millionen Nutzern von Internet-Pornografie aus. Die Nutzung von Pornografie erfolgt überwiegend durch männliche Nutzer: 72 % der Konsumenten sind Männer, 28 % Frauen.
In einer Studie aus dem Jahre 2006 untersuchte eine Arbeitsgruppe um Robert Wosnitzer, Erica Scharrer und Ana Bridges die Darstellung von Gewalt, Erniedrigung und Sexualverhalten in den beliebtesten pornografischen Mainstream-Filmen.  Die Ergebnisse belegten, dass pornografische Mainstream-Filme die sexuellen Vorlieben und das Vergnügen von Männern priorisierten und Frauen insbesondere durch die gegen sie gerichtete physische und verbale Gewalt sowie die dargestellten Kopulations- und Ejakulationsformen erniedrigten.“

USA

Amateurvideos werden immer beliebter. Wer möchte, kann sich mit seiner E-Mail-Adresse auf diesen Sex-Onlineportalen anmelden und seine eigenen Sexvideos hochladen, oftmals komplett ohne Kontrolle der Betreiber, was zur Folge hat, dass auch viele Filmchen hochgeladen werden, die illegal sind. Ein großer amerikanischer Pornoanbieter, der in Europa selbstverständlich auch abrufbar ist, ist derzeit massiv unter Kritik, da bei ihm unzählige Pädophile- und Vergewaltigungsfilme gefunden wurden.

Die US-Amerikanerin Laila Mickelwait startete eine Onlinepetition, die die Abschaltung von Pornhub fordert und dass die Betreiber für die Unterstützung von Menschenhandel zur Rechenschaft gezogen werden. Link zur Petition: https://www.change.org/p/shut-down-pornhub-and-hold-its-executives-accountable-for-aiding-trafficking?

„Vor kurzem erklärt die Internet Watch Foundation, dass es allein 118 bestätigte Fälle von Kindes Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch und Menschenhandel auf Pornhub gefunden wurden und Hälfte der Videos waren Kategorie A Ebene Missbrauch, was die schlimmsten Arten von Missbrauch sind.“

Es dürfte jedem klar sein, dass dies nicht nur unter dem Anbieter Pornhub geschieht, obwohl die Kontrolle bezüglich Alter bei anderen Plattformen im europäischen Raum, etwas strenger sind. Die Gesetze in den USA bezüglich Datenschutzes und der Verifikation des Alters im Netz, sind um einiges lockerer als in der EU. Dazu muss gesagt sein, dass die illegalen Aktivitäten des Darknets noch nicht mit eingerechnet sind. Dort tummelt sich alles, was auf den offiziellen Kanälen des Internets nicht verbreitet werden darf.

Leider ist Pornografie und auch Prostitution in unseren Ländern legal und viele sehen keinerlei Dringlichkeit, dies zu ändern, oder die Gesetze zu verschärfen. Ich empfehle für weiterführende Informationen u.a. das Netzwerk Ella, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, Prostituierten zu helfen, auszusteigen und die sich für das nordische Modell einsetzen (Freier für Sexkauf bestrafen und nicht die Prostituierten zu kriminalisieren).

Christsein und Pornografie

Abschließend muss bestätigt werden, dass sich der Konsum von Pornografie und Christsein nicht miteinander vereinbaren lassen. Dafür muss man gar keine Bibelverse zitieren, sondern einfach nur die ausbeuterischen Hintergründe und die schädlichen Mechanismen, die im Gehirn durch den Konsum von Pornografie ausgelöst werden, kennen. Zum Schutz für sich selbst und zum Schutz für andere Menschen sollte man den Konsum unterlassen.

Falls du dies nicht kannst, solltest du dir überlegen, ob eine Sucht vorliegt und dich gegebenenfalls behandeln lassen. Eine Sucht ist es dann, wenn man auf den Konsum von Pornografie, oder auch auf darstellende Bilder oder erotische Texte, nicht länger als vierzehn Tage lang verzichten kann.

Neben der Online-Kommunikationssucht (Handysucht) und der Online-Spielsucht ist die Pornosucht die häufigste Onlinesucht. “Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der Betroffenen steigen wird”, sagt Kegel. Wie viele Betroffene es derzeit in Deutschland gibt, lässt sich nicht sagen. Manche Experten sprechen von einer halben Million, andere verweisen auf eine Internetstudie, die pro 10.000 Internetnutzer 80 Pornosüchtige ausmacht.

Wie sagt man so schön: Die Wege des Herrn sind unergründlich. Ich hätte mich nie mit Floskeln, von wegen Pornografie sei Sünde von dem Konsum abhalten lassen. Mein Weg damit aufzuhören, war die Sicht hinter die Dinge und die waren und sind erschreckend und absolut menschenfeindlich. Ich hoffe, dass dieser Text dem ein- oder anderen helfen kann, sein Konsumverhalten zu überdenken. Ich verurteile niemand für den Konsum von Pornografie und ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass eine Vielzahl von Menschen, die sich Christen nennen, sich regelmäßig pornografische Inhalte im Internet ansehen. Aber keiner möchte darüber sprechen, aus Angst verurteilt zu werden.

„Das Problem ist auch in christlichen Kreisen virulent: Statistiken weisen circa 68 Prozent der sich selbst als christlich bezeichnenden Männer als regelmäßige Konsumenten von Pornografie aus.“

Du fühlst dich betroffen?

Es gibt Hilfe von christlicher Seite! Wer betroffen ist, kann sich an die von Jeremy Hammond gegründete Organisation FREE!NDEED wenden. Jeremy Hammond hatte selbst ein Problem mit der Sucht nach Pornografie und hilft nun Betroffenen. Sein Hauptanliegen ist es, Männern aus der Abhängigkeit von Pornografie zu helfen und bei der Wiederherstellung ihrer Ehen zu helfen: Für befreite Männer und Frauen, die mit aller Kraft Jesus dienen können.

Das Thema Selbstbefriedigung werde ich eventuell in einem extra Beitrag aufarbeiten. Allerdings verweise ich an der Stelle gerne an Veronika Schmidt, die dazu schon super Texte verfasst hat: https://schoenerlieben.blog/selbstbefriedigung-als-therapie/


Quellen und weiterführende Links:

Bild mit freundlicher Genehmigung von Bild von Cleo Robertson auf Pixabay

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